Werbungskosten sind eine der besten Möglichkeiten, dein zu versteuerndes Einkommen zu reduzieren. Dabei geht es um alle Ausgaben, die du für deine berufliche Tätigkeit brauchst — egal ob du angestellt bist oder freiberuflich tätig.
Das Finanzamt erkennt diese Kosten an, wenn du sie richtig nachweisen kannst. Wir zeigen dir konkret, was abzugsfähig ist und wie du dabei die wichtigsten Fehler vermeidest.
Das Wichtigste in Kürze
- Werbungskosten reduzieren dein Einkommen und damit deine Steuerlast
- Du brauchst für jeden Beleg eine Dokumentation oder einen Beleg
- Bis 110 Euro pro Beleg reicht die Kopie — ab 110 Euro brauchst du das Original
- Die Aufbewahrung von Belegen ist 6 Jahre lang erforderlich
Büromaterial und Arbeitsmittel
Stifte, Notizbücher, Ordner, Drucker, Monitor — all das zählt zu den Werbungskosten. Du setzt diese Kosten ab, weil du sie beruflich brauchst. Das Finanzamt unterscheidet dabei zwischen Verbrauchsmaterialien (Toner, Papier, Stifte) und Arbeitsmitteln mit längerer Lebensdauer.
Bei Verbrauchsmaterial ist es einfach: Du sammelst die Belege und trägst die Summe in deine Steuererklärung ein. Bei Arbeitsmitteln über 410 Euro — wie ein neuer Schreibtisch oder Monitor — musst du diese über mehrere Jahre verteilen. Das nennt sich Abschreibung. Günstigere Arbeitsmittel unter 410 Euro kannst du im Jahr des Kaufs vollständig absetzen.
Ein praktisches Beispiel: Du kaufst einen Tintenstrahldrucker für 380 Euro. Der geht im gleichen Jahr vollständig ab. Aber eine professionelle Büroeinrichtung für 2.500 Euro wird über vier bis fünf Jahre aufgeteilt.
Homeoffice und Arbeitszimmer
Wenn du von zu Hause arbeitest, ist die Frage oft: Was darf ich absetzen? Hier gibt’s zwei Möglichkeiten, und du suchst dir die bessere aus.
Option 1 ist die pauschale Abrechnung: 5 Euro pro Tag, maximal 600 Euro pro Jahr. Das ist einfach — du brauchst keine Belege zu sammeln. Ideal für dich, wenn du nur ein paar Tage im Homeoffice arbeitest.
Option 2 ist die detaillierte Berechnung über dein Arbeitszimmer. Wenn du ein separates Zimmer hast, das du nur beruflich nutzt, darfst du einen Teil deiner Miete oder Hauschuldzinsen absetzen. Du rechnest: Quadratmeter Arbeitszimmer geteilt durch Gesamtquadratmeter der Wohnung. Wenn dein Zimmer 15 Quadratmeter groß ist und die ganze Wohnung 100 Quadratmeter, dann sind das 15 Prozent deiner Nebenkosten und Miete. Das summiert sich schnell — vor allem wenn du in einer teuren Stadt lebst.
Plus: Internet, Strom, Heizung für dein Arbeitszimmer gehen rein. Du brauchst allerdings Belege und musst klar dokumentieren, dass der Raum nur beruflich genutzt wird.
Wichtiger Hinweis
Die Informationen auf dieser Seite dienen zu Bildungszwecken. Steuergesetze sind komplex und ändern sich regelmäßig. Für deine individuelle Situation empfehlen wir, einen Steuerberater zu konsultieren. Das Finanzamt hat letzte Wort über die Anerkennung von Werbungskosten.
Fahrtkosten und Mobilität
Weg zum Büro, Dienstreisen, Kundentermine — all das kostet dich Geld. Die gute Nachricht: Vieles davon ist absetzbar. Es geht hier um die sogenannte Entfernungspauschale oder Fahrtkosten.
Die Entfernungspauschale ist aktuell 0,30 Euro pro Kilometer. Du rechnest: Entfernung von deiner Wohnung zur Arbeit 2 (hin und zurück) 220 Arbeitstage pro Jahr. Wenn du 30 Kilometer entfernt wohnst, sind das 30 2 220 0,30 = 3.960 Euro pro Jahr. Das ist nicht wenig.
Für Dienstreisen kannst du deine echten Kosten einreichen. Mit Zug, Auto oder Flugzeug — alles ist möglich. Bei Dienstreisen mit dem Auto darfst du wieder 0,30 Euro pro Kilometer rechnen oder die echten Kosten (Spritkosten, Verschleiß) dokumentieren, wenn die höher sind.
Ein wichtiger Punkt: Die Entfernungspauschale gilt nur für den Weg zur regelmäßigen Arbeitsstätte. Homeoffice-Tage zählen nicht mit.
Berufskleidung und Schutzausrüstung
Das ist ein sensibles Thema, weil nicht alles zählt. Das Finanzamt ist hier streng: Nur Kleidung, die du nicht auch privat tragen kannst, ist absetzbar.
Das bedeutet konkret: Ein dunkler Anzug für dein Bürojob? Nicht absetzbar, weil du den auch am Wochenende tragen könntest. Ein Arztkittel, Pflegekleidung oder eine Kochjacke? Absolut absetzbar, weil das nicht im privaten Alltag getragen wird.
Schutzausrüstung ist da großzügiger: Arbeitsschuhe, Schutzhelme, Warnwesten, Schutzhandschuhe — das alles ist absetzbar. Du brauchst Belege und solltest dokumentieren, dass die Kleidung oder Ausrüstung beruflich notwendig ist.
Pro-Tipp: Wenn dein Beruf spezielle Kleidung verlangt — Handwerk, Medizin, Küche — sammle alle Belege und sortiere sie nach Jahr. Das macht die Steuererklärung viel einfacher.
Fortbildung und Fachbücher
Kurse, Seminare, Zertifikate, Fachbücher — wenn es um deinen Beruf geht, ist es Werbungskosten. Das Finanzamt versteht, dass du dich weiterbilden musst, um gut in deinem Job zu sein.
Das umfasst: Online-Kurse, Sprachkurse, Fachzertifikate, Konferenzen und Fachbücher. Sogar Fachmitgliedschaften — wie die Kammer oder ein Berufsverband — sind absetzbar. Dazu kommen Übernachtung und Verpflegung, wenn du zu einem Seminar reist.
Was nicht zählt: Ausbildung für einen neuen Beruf. Wenn du dich komplett umschulen lässt, ist das eine Ausbildungskosten, nicht Werbungskosten. Der Unterschied ist wichtig: Bei Fortbildung bist du bereits in deinem Beruf tätig. Bei Ausbildung steigst du neu ein.
Belege sammeln und dokumentieren
Das Wichtigste ist: Du brauchst Belege. Das Finanzamt prüft das. Ohne Belege sind deine Werbungskosten weg.
So funktioniert es richtig: Sammle alle Quittungen und Rechnungen. Schreib kurz auf, wofür das war (z.B. „Bürostuhl für Homeoffice”). Ordne alles nach Monaten oder Kategorien. Sechs Jahre müssen Belege aufbewahrt werden — ab da darfst du sie entsorgen.
Ein Tipp für die Steuererklärung: Nutze ELSTER oder lass dich von einem Steuerberater unterstützen. Es geht schneller und sicherer, als alles selbst zu rechnen. Wenn du deine Werbungskosten richtig eintragst, sparst du echtes Geld bei deiner Steuer — und der Aufwand lohnt sich.
Die wichtigsten Werbungskosten noch mal: Büromaterial, Homeoffice, Fahrtkosten, Berufskleidung und Fortbildung. Schau mal in deine letzten 12 Monate — wo könntest du noch Belege finden, die du bisher vergessen hast?